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Merkmale und Charakter

Die Kernideen von kollegialer Beratung

Kollegiale Beratung bedeutet strukturierte Fallberatung in einer selbstgesteuerten und leiterlosen Gruppe Berufstätiger. Den Mitwirkenden bietet sie einen Reflexionsraum, in dem aktuelle berufliche Praxisfälle systematisch beleuchtet und angereichert werden.

Bei kollegialer Beratung – auch Intervision genannt – reflektiert eine Gruppe berufliche Praxissituationen einzelner Mitglieder. Bei der Beratung gehen die Mitwirkenden strukturiert und koordiniert vor, und die Beratungen werden reihum von einem Mitglied aus den eigenen Reihen moderiert. Einen wertvollen Fundus bilden die vielfältigen Perspektiven, Erfahrungen und Ideen der Beteiligten, die die berichteten Situationen aus mehreren Blickwinkeln beleuchten und ein Spektrum an Lösungsansätzen entwickeln.

In vielen Berufsbereichen trägt kollegiale Beratung dazu bei, handlungsfähig zu bleiben bzw. zu werden, berufliche Probleme besser zu bewältigen, zieldienliches Kooperations- und Führungsverhalten zu entwickeln, fundiertere Entscheidungen zu treffen, Belastungen zu vermindern und beruflich erfolgreicher zu handeln. Das macht kollegiale Beratung zu einer attraktiven Maßnahme der Kompetenz-, Personal- und Führungskräfteentwicklung, in deren Mittelpunkt die konkrete Praxis steht. 

Die Kernideen von kollegialer Beratung leuchten schnell ein, deren Umsetzung hingegen ist kein Selbstläufer. Damit sie gelingt, braucht sie unterstützende Rahmenbedingungen, engagierte Mitwirkende, ein gutes Zusammenspiel in der Gruppe sowie eine förderliche ›kollegiale‹ Haltung der Beteiligten.

Praxisfälle: was ist aktuell wichtig oder problematisch?

Im Fokus von kollegialer Beratung stehen aktuelle Klärungs- und Lösungsanliegen zu konkreten beruflichen Praxisfällen von Mitwirkenden. Anlässe sind Situationen, Konstellationen oder Interaktionen, die als schwierig, komplex oder konflikthaft erlebt werden – mit Kund:innen, Klient:innen, Mitarbeitenden, Vorgesetzten oder Kolleg:innen. Thematisiert werden auch enttäuschende Entwicklungen, misslungene Pläne, Entscheidungsdilemmata, Rollenkonflikte, widersprüchliche Erwartungen oder herausfordernde bevorstehende Ereignisse.

Das Spektrum an Fallthemen bildet die Wirklichkeit der Mitwirkenden ab und variiert mit deren beruflichen Kontext.

  • In meinem Team beobachte ich Spannungen zwischen drei Mitarbeitenden und einem vierten. Die drei schneiden ihren Kollegen und enthalten ihm wichtige Informationen vor. Wie kann ich als Führungskraft zieldienlich auf diese Situation einwirken?
  • Nach Ausfall eines Projektleiters habe ich die Leitung eines Projekts geerbt, in dem zwei Key-Player unterschiedliche Auffassungen zu Zielen und Vorgehen haben. Wie kann ich vorgehen, um hier mehr Ordnung reinzubringen und dabei meinen Stand zu festigen?
  • In der nächsten Woche habe ich einen wichtigen Beratungstermin mit einer Klientenfamilie. Wie kann ich erreichen, dass sich die Familienmitglieder bei der Lösung des Problems stärker engagieren?

Ziel von kollegialer Beratung ist es, Ratsuchende darin zu stärken, reflektiert, zielgerichtet und sinnhaft zu handeln. Sie gewinnen größere Klarheit und erweitern ihre Denk-, Bewertungs- und Handlungsmöglichkeiten.

Anführungszeichen vor einem Zitat

The observer of a well-working peer group would be puzzled until she realized there was no one supervisor.

Portrait von Brigid Proctor, einer britischen Supervisorin und Autorin

BRIGID PROCTOR

BRITISCHE SUPERVISORIN UND AUTORIN

[Wer eine gut arbeitende Peergruppe zu kollegialer Beratung beobachtet, würde staunen, wenn sie erkennt, dass keine ausgebildete Supervisorin mitwirkt.]

In der Gruppe: viele Köpfe, viele Ideen

Die Gruppe bildet den Rahmen und das Instrument für kollegiale Beratungsprozesse. Durch vielfältige Blickwinkel, Kompetenzen und Erfahrungen werden Praxissituationen mehrperspektivisch beleuchtet. Die Diversität der Sichtweisen weitet den Denkhorizont für Reflexionen und Lösungen.

Eine arbeitsfähige Gruppe zu kollegialer Beratung umfasst fünf bis zehn Mitwirkende. So entfaltet sich das Potenzial der Methodik und es gibt hinreichend Gelegenheiten für jede:n, in der Gruppe eigene Praxisfälle zu klären.

Um einen geschützten Reflexionsrahmen auch für heikle Praxiserfahrungen zu bieten, verständigt sich eine Gruppe über Diskretion zu Fallinformationen und konkreten Äußerungen. Die Beteiligten begegnen sich offen, wohlwollend und lösungsorientiert, um konstruktive und ermutigende Beratungsprozesse zu ermöglichen. Vertrauen und Vertraulichkeit sind wichtige Voraussetzungen für kollegiale Beratung.

Die Mitwirkung an kollegialer Beratung sollte freiwillig sein, um Reflexionsbereitschaft sowie förderliche Verbundenheit in der Gruppe zu begünstigen. Und Konkurrenz, Spannungen und Hierarchien vertragen sich nicht mit kreativen, konstruktiv-kritischen Beratungsdialogen, die zu neuen Einsichten führen sollen.

Systematik: so bleibt die Gruppe in der Beratungsspur

Damit kollegiale Beratung ziel- und ergebnisorientiert verläuft, orientieren sich die Beteiligten an einem methodischen Konzept, das die Ablaufschritte, die Beratungsaufgaben der Beteiligten und deren Zusammenspiel in jedem einzelnen Schritt beschreibt. Dadurch entspricht gekonnte kollegiale Beratung einem realen Beratungsgespräch.

In strukturierter kollegialer Beratung füllen alle Mitwirkenden arbeitsteilig bestimmte Aufgaben aus. Ein:e Anwesende:r moderiert den Beratungsprozess in der Gruppe für das beratene Gruppenmitglied. Die weiteren Beteiligten nehmen die Rolle von Beratenden ein. Die Struktur ermöglicht auch beratungsunerfahrenen Zielgruppen gemeinsam gesteuerte und produktive Beratungsprozesse.

Zentrales Merkmal von kollegialer Beratung: Die Gruppe praktiziert kollegiale Beratung unabhängig von externer Beratungsexpertise. Die Mitglieder gestalten die Beratungsprozesse entsprechend der Ablaufsystematik autonom. So sichern sie gemeinsam, dass die Beratung produktiv wird.

Selbststeuerung: autonom, gemeinsam und koordiniert

Die Beratungsrollen wechseln unter den Mitwirkenden bei jedem Beratungsprozess. So kann jede:r beraten werden und jede:r wirkt auf seine:ihre Weise aktiv an der Beratung mit. Die Kompetenz zu kollegialer Beratung liegt bei den Beteiligten selber. Niemand wird für seine:ihre Mitwirkung an kollegialer Beratung (gesondert) honoriert.

Auch die Organisation der Gruppe wird von deren Mitgliedern gemeinsam koordiniert und selbstgesteuert verantwortet. Eine Rolle der Gruppenleitung ist nicht vorgesehen. Dauer, Turnus und Modus – in Präsenz oder online – werden selbstbestimmt vereinbart. Die Gruppe verständigt sich in einer Übereinkunft auf Grundregeln ihres Miteinanders und achtet auf ihre Arbeitsfähigkeit.

Icon als Symbol für Selbststeuerung der Gruppe
Icon für kollegiale Beratung per Videokonferenz

Eine Peergruppe begegnet sich klassisch an einem realen Ort. Oder aber in gleicher Qualität online per Videokonferenz.
Oder sie wechselt beides ab.

Raum zur Reflexion – egal wo. In Präsenz oder per Videokonferenz

Ob in direkter Begegnung oder per Videokonferenz: kollegiale Beratung ist in beiden Welten gleichermaßen zu Hause – je nachdem, was die Mitwirkenden schätzen, welche technischen Möglichkeiten und Kompetenzen bestehen oder wo sich die Gruppenmitglieder örtlich befinden.

Kollegiale Beratung online wird bereits seit über 20 Jahren erfolgreich realisiert. Erfahrungsberichte und Forschungsbefunde zeigen, dass die Beratungsprozesse vergleichbar ablaufen wie in Präsenz. Das Medium Videokonferenz erfordert natürlich Beachtung und Anpassungen. Dafür ermöglicht es kollegiale Beratung für örtlich verteilte, auch international zusammengesetzte Gruppen – ohne längere Fahrtwege.

Mit kollegialer Beratung online eröffnet sich die Möglichkeit, reale und virtuelle Treffen abwechselnd zu kombinieren. Passend dazu bieten wir qualifizierende Fortbildungen zu kollegialer Beratung auf beiden Wegen an: vor Ort und per Videokonferenz.

KONTAKT

Ottenser Marktplatz 15

22765 Hamburg

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