Argumente für kollegiale Beratung

Kollegiale Beratung ist eine inspirierende, komplexe und zugleich einfache Maßnahme zur berufsbezogenen Qualifizierung, zur praxisbezogenen Personalentwicklung und zur Qualitätssicherung beruflichen Handelns für eine Vielzahl an Berufsgruppen. Sie ist gekennzeichnet durch eine systematische Kombination aus strukturierter Reflexion und gezielter Lösungs- bzw. Ergebnisorientierung.

Die bisherige wissenschaftliche Forschung zu kollegialer Beratung konnte einige personenbezogene Wirkungen einer längerfristigen Teilnahme an kollegialer Beratung empirisch belegen (Tietze, 2010):

Kollegiale Beratung trägt dazu bei, schwierige berufliche Probleme (Fälle) zu lösen

  • Kollegial Beratene (Fallerzähler) können durch die gemeinsame Reflexion und Lösungssuche passende neue und zieldienlichere Handlungs- und Sichtweisen sowie Haltungen für schwierige berufliche Situationen entwickeln.
  • Alle Beteiligten lernen stellvertretend für die eigene berufliche Praxis, indem sie in den Beratungsprozessen von Fällen und von verschiedenen Lösungsansätzen der Teilnehmenden erfahren.

Kollegiale Beratung trägt dazu bei, relevante berufliche Kompetenzen zu entwickeln

  • Indem vorgestellte und eingebrachte Fallsituationen systematisch reflektiert werden und verschiedene Lösungen entwickelt werden, verbessert sich der kompetente Umgang mit schwierigen beruflichen Situationen - ein Beitrag zur Professionalisierung.
  • Im Zuge der aktiven Beteiligung an kollegialer Beratung werden beraterische und kommunikative Kompetenzen praktiziert und gefördert.
  • Die Praxis einer systematischen Methodik zur Problemlösung von beruflichen Fällen übt allgemeine Kompetenzen zur Problemlösung.

Kollegiale Beratung trägt dazu bei, berufliche Beanspruchung zu vermindern

  • Kollegiale Beratung trägt zur psychischen Entlastung bei, da berufliche Fälle, die kollegial beraten werden, häufig zuvor mit erheblichem Beanspruchungserleben (Stress, kreisende Gedanken) einhergehen.
  • Bereits im Lauf des Beratungsprozesses stellen sich häufig klärende und erleichternde Einsichten und Momente ein, vor allem am Ende einer kollegialen Beratung überwiegt oftmals eine neue Zuversicht.
  • Einer kollegialen Beratungsgruppe anzugehören, die als anteilnehmend, unterstützend und wohlwollend erfahren wird, fördert das Erleben, bei schwierigen beruflichen Situationen auf kollegialen Rückhalt vertrauen zu können.

Kollegiale Beratung fördert die Reflexion des eigenen beruflichen Handelns und trägt somit dazu bei, die Qualität der Arbeit zu sichern und zu verbessern. In und mit kollegialer Beratung wird ein Austausch über die Arbeitsbereiche ermöglicht und darüber hinaus auch der Zusammenhalt der Beteiligten gefördert. Die Beteiligung an bereichs- und abteilungsübergreifender kollegialer Beratung ermöglicht den Ausbau und die Vertiefung des eigenen beruflichen Netzwerks.

Durch neue, passende Ideen für die berufliche Praxis und zieldienliche Perspektiven für bisher eingefahrene Handlungsmuster entsteht die Möglichkeit, einen verbesserten Umgang mit Kunden, Klienten und Mitarbeitenden zu erreichen.

Attraktiv für Organisationen, in denen kollegiale Beratung praktiziert wird, ist, dass das Instrument zu einer Steigerung der Qualität der Arbeit, zu qualifizierteren Mitarbeitenden und in der Folge zu besseren Arbeitsleistungen führen kann. Sie stellt eine (vergleichsweise) kostengünstige Form der Personalentwicklung dar und hilft zugleich, eine besondere Kultur der wechselseitigen Unterstützung zu entwickeln.

Literatur

Tietze, K.-O. (2010). Wirkprozesse und personenbezogene Wirkungen von kollegialer Beratung. Theoretische Entwürfe und empirische Forschung. Wiesbaden: VS-Verlag.

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